22. Juli 2026 von sevenfacts
Aubing und Freiham: die vergessenen Stadtteile?
Aubing, bei der Herfahrt über die Bergsonstraße, befindet sich das Bergson Kulturkraftwerk mit einem schönen Entree. Es ist wenige Jahre alt, hat ein tolles Kunst- und Kulturangebot und einen schönen Biergarten davor. Freiham, über die Bodenseestraße kommend, hat das auch: das ZAM oder den Schulcampus Freiham. Dieser ist nicht nur architektonisch gut gelungen, sondern auch gut nutzbar für z.B. Bürgerversammlungen.
Doch was liegt dazwischen? Hier ein kleiner Einblick in die harte Realität:
Beginnen wir im sogenannten Alt-Aubing.
Nur wenige Treffpunkte halten sich: das Aubinger Herzl z.B. Ein Kleinod, umgeben von lauter Verkehrslärm. Aber herzlich und gut geführt. Viele weitere Läden haben aufgegeben, soziale Treffpunkte sind kaum vorhanden.
Die Straßen: oft überfüllt, mindestens in der Rush-Hour. Der Lidl: 1,1km vom Zentrum weg. Die Alto-Straße, das UBo, das THW: Sie gehören alle zur Marke Aubing dazu.
50m weiter dann die große Barriere. Der S4-Bahnhof.
Seit 150 Jahren fährt die Bahn dort vorbei. Damals revolutionär.
Heute wird man gleich beim Ausstieg hart geerdet. Keine Rolltreppe und kein Aufzug.
6 Jahre lange habe ich versucht, dieses Thema anzuschieben. Fertig geworden bin ich nicht. Und es dauert immer noch, denn der Freistaat muss die Planung für 4 Gleise vorantreiben und somit wird sich vorher wenig tun.
Wir haben es daher mit einem Improvisorium für eine Rampe versucht. Damit wenn auch improvisiert dort neue Zugangsmöglichkeiten entstehen.
Was würde es dafür benötigen? Den Ausbau bzw. die Umwidmung der Unterführung als Durchgangsweg mit einer anschließenden Übernahme der Unterhaltskosten und dem Bau einer Rampe. Sogar die Bahn würde mitmachen. Nur die Stadt müsste dafür endlich den Weg frei machen.
Leider haben sich hier die städtischen Referate nicht mit Ruhm bekleckert. Das eine Referat hat es auf das andere geschoben.
Das Beispiel zeigt jedoch, dass wenn alle 3 Ebenen, also Land, Stadt und Bahn besser zusammenarbeiten würden, könnte es am S4-Bahnhof endlich vorangehen.
Nun ein kleiner Einblick nach Freiham. Die oberbayerische Box-Meisterschaften auf dem Bildungscampus ist ein Spektakel. Freiham ist eine Modell-Kleinstadt, die autoarm geplant wurde. Aber funktioniert das?
Die Parksituation mit meinen kleinen E-Smart war bei jedem Termin dort prekär, eine letzte Lücke war dann irgendwo doch noch frei. Täglich dieser Stress wäre mir zu viel.
Der aktuelle Stellplatzschlüssel von 0,5 ist zu gering. Hier müssen noch mehr Quartiersgaragen her.
Der Parkdruck ist groß und die Busse, die alle 20 Minuten fahren, sind überfüllt.
Damit trifft es Rollstuhlfahrer und Bürger/innen mit körperlicher Beeinträchtigung wieder besonders hart. Mobilität wird dann „Glücksache“.
Das darf nicht sein.
Die U5 muss schnellstmöglich verlängert und der Bau und die Planung forciert werden.
Die neue Station U5 Freiham soll im Rohbau entstehen. Das habe ich gerne mitbeschlossen, nur beim Rohbau darf es nicht bleiben.
Das ist auch typisch München: oft sind neue Wohnungen fertig, und dann kommt irgendwann noch eine Bushaltestelle und Jahre später, mit Glück, eine Tram und/oder U-Bahn dazu. Umgekehrt wäre es besser. Eine Daueraufgabe für den Stadtrat, dieses traditionelle „Handhaben“ der Verwaltung umzukehren.
Freiham und Aubing zeigen: es warten noch viele Aufgaben auf den Stadtrat. Und ein beharrliches Dran-Bleiben.
Denn ohne Engagement gäbe es auch kein Kultur-Kraftwerk in Aubing. Der geduldige Einsatz lohnt sich also.